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ARBEITEN MIT KI

Duisburg ist Europäische Unternehmerregion 2027 – Der Preis ist ein Auftrag

Künstlerische Zukunftsvision als Aquarell: Die Hochofenstrukturen des Landschaftsparks Duisburg-Nord umschließen eine leuchtende KI-Serverlandschaft.
Künstlerische Zukunftsvision des Landschaftsparks Duisburg-Nord.

Im Duisburger Hafen wird nach Angaben des Unternehmens erprobt, wie künstliche Intelligenz Zolldokumente schneller verarbeiten und Abweichungen in den Daten erkennen kann. Felix Musolf, der bei duisport die Abteilung für Digitalisierung und KI leitet, hat das Ziel Ende Juli 2026 so beschrieben: Man wolle „die Zollabfertigung eines Zuges um ein Vielfaches beschleunigen“. Der Hafen arbeitet dafür mit dem Berliner Unternehmen NENNA.AI zusammen, über alle Abteilungen hinweg und mit dem Anspruch, sensible Daten nicht aus der Hand zu geben. Hier baut ein Unternehmen seinen eigenen Arbeitsalltag um.

Am 14. Oktober 2026 hat der Europäische Ausschuss der Regionen Duisburg als Europäische Unternehmerregion 2027 ausgezeichnet, gemeinsam mit Nordostrumänien und der italienischen Region Umbrien. Ausgezeichnet wurde eine Strategie, deren Umsetzung sich an konkreten Ergebnissen messen lassen muss. Die Jury bewertet, wie überzeugend eine Region das Unternehmertum fördern will, und begleitet die Umsetzung im Jahr 2027. Ein wichtiger Bestandteil des Duisburger Plans ist das Programm „KI für KMU NiederRhein“. Es unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, konkrete Anwendungen zu entwickeln und KI im Arbeitsalltag einzusetzen. Zur ausgezeichneten Strategie gehören auch Kreislaufwirtschaft und ökologische Transformation.

Hinter diesem Plan steht echte Substanz. Seit 2024 arbeiten im Zentrum für angewandte Künstliche Intelligenz Duisburg, kurz ZaKI.D, das Fraunhofer-Institut IMS, die Universität Duisburg-Essen und der Messtechnikhersteller KROHNE zusammen. Rund 18 Millionen Euro Fördergeld wurden dafür zugesagt, der größte Teil aus dem Bundesprogramm STARK für Regionen im Kohleausstieg. Das Zentrum beschäftigt sich mit KI, die direkt in Sensoren und Geräten läuft, also dort, wo Duisburgs Industrie ihr Geld verdient. Ich halte Duisburg und das ganze Ruhrgebiet deshalb für einen Zukunftsstandort der KI. Ob die Region diese Rolle wirklich einnimmt, hängt allerdings davon ab, wie sich die Städte selbst aufstellen.

Was ich in der Stadt erlebe

An der Volkshochschule Duisburg gebe ich halbjährlich das KI-Update. Es soll die Bevölkerung mitnehmen: Was funktioniert weltweit und in und um Duisburg an KI, wie funktioniert es, und was bedeutet das für die Entwicklung der Stadt und der Gesellschaft? Für die Stadtverwaltung habe ich Vorträge über KI in Stadt und Verwaltung gehalten, und auch dort ging es um die Stadtgesellschaft.

In der Verwaltung beschäftigen sich bereits viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter privat und auf hohem Niveau mit KI. Das Wissen ist also im Haus. Was ich vermisse, beginnt noch vor einem Strategiepapier: eine gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erarbeitete Vorgehensweise für die tägliche Arbeit mit KI. Sie muss berücksichtigen, dass sich die Möglichkeiten und Grenzen dieser Technik ständig verändern. Trotzdem muss vom ersten Tag an ein praktischer Vorteil in der Arbeit mit KI gewonnen werden. Dafür müssen die Beschäftigten ihre Aufgaben, ihre Erfahrungen und ihre Schwierigkeiten einbringen können. Aus dieser gemeinsamen Arbeit kann eine Strategie entstehen, die für die kommenden fünf Jahre eine Richtung vorgibt und ihre Umsetzung regelmäßig an neue Entwicklungen anpasst.

An der VHS stellt sich eine verwandte Frage. Die Probleme einer Transformation in diesem Tempo sind dort durchaus bekannt. Offen ist, wie man sie ins Bildungsangebot bringt, als Verständnis dessen, was gerade passiert, und als technisches Wissen, mit dem sich Ressourcen besser nutzen lassen. Die Zahl der Kurse ist dabei kein ausreichender Maßstab. Quantität muss sich der Qualität unterordnen und einer durchdachten Weiterbildungsstrategie folgen. Entscheidend ist, ob die Angebote aufeinander aufbauen, Orientierung vermitteln und Menschen befähigen, KI in ihrem Alltag sinnvoll und kritisch einzusetzen.

Wie groß der Bedarf ist, zeigt eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom vom Frühjahr 2026. Danach nutzen 58 Prozent der Menschen ab 16 Jahren in Deutschland KI zumindest gelegentlich. Von denen, die es nicht tun, nennen 44 Prozent fehlendes Vertrauen als Grund und 22 Prozent fehlendes technisches Wissen. Die Hälfte aller Befragten sorgt sich um zu wenig Regeln und Kontrolle. Fehlendes Vertrauen wird also deutlich häufiger genannt als fehlendes technisches Wissen. Eine hochwertige Weiterbildungsstrategie muss beides berücksichtigen. Sie muss Menschen praktische Erfahrungen ermöglichen und verständlich machen, wie KI kontrolliert wird und wie sich ihr Einsatz mitgestalten lässt. Vertrauen kann auch dort wachsen, wo Menschen sehen, was ihre Stadt mit der Technik vorhat, und wo sie mitreden können.

Warum die Stadt sich selbst verwandeln muss

Die Städte im Ruhrgebiet stehen damit vor einer Entscheidung. Sie können weiter einfache Hilfen geben, so wie es die Wirtschaftsförderung in der Vergangenheit getan hat. Oder sie verwandeln sich selbst, so wie es die Industrie gerade tun muss. Ich halte nur den zweiten Weg für zukunftsfähig, denn eine Stadt kann die neue Wirtschaft und die neue Infrastruktur, die mit KI entstehen, nur ansiedeln, wenn sie selbst bereit ist, sich zu transformieren.

Der Grund liegt im Alltag. Unternehmen, die mit KI arbeiten, haben ständig mit der Stadt zu tun, mit Genehmigungen, Daten, Ausschreibungen und den Menschen, die sie einstellen wollen. Eine Verwaltung, die selbst mit KI arbeitet, versteht, was diese Unternehmen brauchen, und kann schneller und klüger entscheiden. Was ich bislang vermisse, ist eine gemeinsame Richtung, die die vorhandenen Aktivitäten verbindet und die Veränderung im Alltag der Stadt erkennbar macht. Hier sehe ich einen deutlichen Abstand zu dem, was ich aus einer Stadt wie Amsterdam gewohnt bin.

Amsterdam hat seine Vision für den Einsatz von KI gemeinsam mit Einwohnerinnen und Einwohnern erarbeitet und auf der städtischen Plattform openresearch.amsterdam veröffentlicht. Wie breit diese Beteiligung war, lässt sich von außen schwer beurteilen. Bei meinen Besuchen erlebe ich aber eine Stadt, in der KI längst eine Infrastruktur ist, mit der Menschen ihre Arbeit weiterentwickeln, und in der fast jede Woche mehrere Veranstaltungen Wissen und Kontakte zusammenbringen. Darüber habe ich vor wenigen Tagen ausführlich geschrieben.

Was jetzt kommen müsste

Duisburg hat mit der Auszeichnung einen guten Anlass für den nächsten Schritt, denn die Jury begleitet die Strategie im Jahr 2027 und Europa schaut hin. Eine gemeinsame KI-Strategie sollte klären, wer Verantwortung übernimmt, welche Aufgaben zuerst angegangen werden und welche Ressourcen dafür bereitstehen. Sie sollte beschreiben, wie Verwaltung, Volkshochschule, Wirtschaftsförderung, Forschung und Stadtgesellschaft zusammenarbeiten und woran Beschäftigte und Bevölkerung Fortschritte erkennen können. Die fünf Jahre geben die Richtung vor. Regelmäßig überprüfte Umsetzungsschritte halten die Strategie bei dem hohen Veränderungstempo arbeitsfähig. Das Wissen dafür ist in der Stadt vorhanden, im ZaKI.D, im Hafen, an der VHS und in der Verwaltung selbst.

Im Hafen hat jemand eine einfache Aufgabe formuliert: einen Zug um ein Vielfaches schneller abzufertigen. Die Stadt könnte sich eine ähnlich klare Aufgabe geben und aufschreiben, wie sie in fünf Jahren mit KI arbeiten will, und die Menschen in Duisburg daran mitschreiben lassen. Viele von denen, die das können, sitzen schon heute in ihren Büros, Laboren und Kursräumen.

Zum Nachlesen

Europäischer Ausschuss der Regionen: Auszeichnung „European Entrepreneurial Region 2027“.

Duisburg Business & Innovation: Programm „KI für KMU NiederRhein“.

KROHNE, 16. Mai 2024: 18 Millionen Euro Förderung für das ZaKI.D.

duisport, 30. Juli 2026: Pressemitteilung zur Partnerschaft mit NENNA.AI · PDF.

Bitkom: Studienbericht „Künstliche Intelligenz in Deutschland“, Bevölkerungsbefragung 2026 · PDF.

openresearch.amsterdam: Die Amsterdamer KI-Vision.

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