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ARBEITEN MIT KI

I aimsterdamned!

Aquarell des Schriftzugs I aimsterdamned als große rote und weiße Buchstaben, angelehnt an das bekannte Amsterdamer Stadtmotiv.

Ich war ein paar Tage in den Niederlanden, auch wieder einmal in Amsterdam, und bin dort ziemlich unvorbereitet in der guten alten Westergasfabriek, wo einst die legendären PICNIC und TNW stattfanden, mitten in das „Amsterdam Dance Event“ geraten. Das ADE ist eigentlich ein Festival der elektronischen Musik, in diesem Jahr zum 30. Mal, vom 21. bis 25. Oktober an mehr als 200 Orten in der Stadt. Ich hatte mit Clubnächten gerechnet und fand im Konferenzprogramm eine ganze Reihe von Veranstaltungen über künstliche Intelligenz. Es ging um Urheberrechte und Vergütung, um KI-Agenten, die mitentscheiden, welches Konzert jemand besucht, und um die Frage, wer am Ende bezahlt wird, wenn Maschinen mitkomponieren. Die Wucht, die Menge und die Qualität der Angebote, die Ruhe und Selbstverständlichkeit der Veranstaltungen überraschten mich sehr.

Später habe ich mich umgesehen, was in Amsterdam sonst gerade an KI-Veranstaltungen angeboten wird, und war beeindruckt und auch ein wenig überfordert. Allein in den zwei Tagen vor Ort hätte ich nicht ansatzweise geschafft, mir alles anzusehen, und das geht bis Ende des Jahres so weiter. Es gibt Festivals, Workshops großer Beratungen, Abendtreffen in Coworking-Räumen und kleine Runden, in denen man an einer eigenen Aufgabe arbeitet. Der Amsterdam AI Summit im November findet in der wunderschönen Zuiderkerk statt, einer Kirche aus dem 17. Jahrhundert, und für das Mindstone-Treffen öffnet die Maarten Luther Kerk ihre Türen. Viele dieser Veranstaltungen kosten keinen Eintritt. Fast alle verbinden Wissen mit Kontakten zu Menschen, die mit großer Motivation an denselben Fragen arbeiten. Die ganze Stadt ist an vielen Orten zu einem KI-Netzwerk, zu einem Zukunfts-Netzwerk geworden. Wieder einmal, aber dieses Mal mit Plan.

Am meisten hat mich die Haltung beeindruckt, die dahintersteht. In den Niederlanden ist künstliche Intelligenz nach meinem Eindruck längst kein neues, grundsätzlich gefährliches Ding mehr, als das sie in Deutschland noch oft empfunden wird. Sie ist eine Infrastruktur geworden, mit der Menschen produktiver arbeiten und ihre eigene Arbeit und die Arbeit für ihre Kunden weiterentwickeln. Man sieht und nutzt die Möglichkeiten, ohne die Gefahren aus den Augen zu lassen.

Mir hilft dabei ein Vergleich mit dem Autofahren. Niemand, der ein Auto fährt, denkt ständig darüber nach, dass er jeden Augenblick einen anderen Menschen töten könnte. Gesetze, Aufsicht und Ausbildung und ihre ständige Verbesserung versuchen, das Risiko für Mensch und Lebensraum so weit wie möglich zu senken. Im Jahr 2025 sind in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2.814 Menschen im Straßenverkehr gestorben, und trotzdem würden wir auf diese Mobilität nicht mehr verzichten. So ähnlich gehen die Niederländer nach meinem Eindruck mit KI um.

Das zeigt sich schon an den Titeln der Veranstaltungen, die fast immer danach fragen, wie man KI nachhaltig und sicher einsetzt. Vergleiche ich das mit dem, was zwischen Köln und Dortmund oder in Berlin und München stattfindet, sehe ich einen Abstand, den ich so nicht erwartet hatte. Für mich ist Amsterdam in kürzester Zeit zu einer KI-Gesellschaft mit Vorbildfunktion geworden.

Dabei ist Amsterdam von meinem Heimatort Oberhausen aus nur zwei ICE-Halte entfernt, Arnhem und Utrecht, und schon bin ich da. Die niederländische Bahn gibt für die direkte Verbindung knapp zwei Stunden an. Seit die großen Bauarbeiten bei Emmerich im Mai 2026 abgeschlossen sind, wird der ICE auch nur noch selten über Venlo umgeleitet. Ich werde in Zukunft öfter hinfahren, denn diese zwei Stunden sind die Menge und die Qualität der Veranstaltungen mehr als wert. Im Umkreis des Ruhrgebiets gibt es nichts, das Ähnliches bietet. Vielleicht noch Rotterdam, Eindhoven, Maastricht, Arnhem und Nijmegen, aber auch die liegen alle in den Niederlanden. So gesehen ist das Ruhrgebiet gesegnet und sollte dringend Partnerschaften und Austausch mit seinen Nachbarn suchen, statt darauf zu hoffen, dass aus Berlin ein paar Krümel herunterfallen.

Manche erinnern sich vielleicht noch an den Film „Amsterdamned“ aus dem Jahr 1988. Darin zieht ein durchgeknallter Mörder im Taucheranzug Menschen in die Grachten und tötet sie. Heute ist das objektiv betrachtet ein bekloppter Film, den ich früher aber geliebt habe, allein wegen Amsterdam. Den Titel würde ich heute übernehmen und anpassen: Ich bin aimsterdamned! Und kombinieren wir das mit der ikonischen „I amsterdam“-Skulptur des dortigen Stadtmarketings, haben wir ein passendes Zukunftsmotto: I aimsterdamned!

Ja, ich bin dieser Stadt, die schon immer eine Seelenheimat für mich war, verfallen. Verfallen und dankbar. Denn kein anderer Ort – nicht Berlin, nicht Paris, London oder sonst ein selbsternannter Digital-Hotspot in Europa – hat mir so viele kluge Impulse, wichtiges Know-how vermittelt und relevante berufliche Netzwerke geboten wie diese Stadt.

In den letzten Jahren konnte ich sie aus gesundheitlichen Gründen nicht besuchen. Aber das ist heute zum Glück anders. Ich werde in diesem Jahr noch mindestens dreimal für ein oder zwei Tage nach Amsterdam fahren. Wer Lust hat, einmal mitzukommen oder sich dort mit mir zu treffen, kann sich gern bei mir melden. Für alle, die es lieber selbst ausprobieren möchten, habe ich als Appetithappen zusammengestellt, was beim ADE zum Thema KI auf dem Programm stand und was in Amsterdam bis zum Jahresende noch kommt. Vielleicht sehen wir uns mal in aimsterdam!

KI beim Amsterdam Dance Event

Die meisten Konferenztermine setzten einen ADE-Pro-Pass voraus, einige Workshops gehörten zum ADE Lab mit eigenen Zugangsregeln. Die Angaben stammen aus dem offiziellen Programm des Amsterdam Dance Event.

21. Oktober, „Becoming the Fans First Choice in an Agentic World“ im TicketSwap Global Promoter Hub: wie Veranstaltungen, Künstlerinnen und Künstler und Marken sichtbar bleiben, wenn KI-Agenten mitentscheiden, was das Publikum auswählt.

21. Oktober, „Creative Autonomy and AI“ mit Thunderboom im Het Ketelhuis: ein praktischer Workshop über alternative KI-Werkzeuge und bewusste Technologieentscheidungen.

21. Oktober, „AI Behind the Live Set“ im Felix Meritis: Musikerkennung, die Zuordnung von Rechten und der Weg von verstreuten Informationen bis zur Vergütung.

21. Oktober, „Shaping Your Own Label with AI: The Future of DIY?“ im Felix Meritis: wie KI mit eigenem Wissen, Zielgruppendaten und aktuellen Informationen arbeitsfähig wird.

22. Oktober, „Who Writes the Rules? AI, Music Rights, and Building in Europe“ im Felix Meritis: europäische Technologieentwicklung und faire Bedingungen für Kreative.

22. Oktober, „Your Rights, Your Creativity: Know Your AI“ von BumaStemra und „Ask Me Anything about The Future of Copyright in AI“ mit Reinier Zonneveld: Urheberschaft, Zustimmung und Vergütung bei KI-Systemen, die mit künstlerischem Material trainiert wurden.

22. Oktober, „AI Platforms Roundtable: Setting the Terms“: Vertreterinnen und Vertreter unter anderem von NVIDIA, Splice, FL Studio, Believe, SoundCloud und Deezer über die Bedingungen, unter denen KI in die Musikwirtschaft kommt.

22. Oktober, „In an AI-Driven Music Economy, Who Will Win the Battle for Future Value?“ von EY: wie KI wirtschaftliche Macht und Wertschöpfung verschiebt.

22. Oktober, „Models and Agents: The Future of Music Production“ mit Jeff Chang von Google DeepMind im Rosewood Amsterdam.

22. Oktober, „Rewired: Where Tech Is Moving Value in Music“: wie KI-Assistenten und Agenten die Beziehungen zwischen Nutzern, Werkzeugen und Unternehmen verändern.

22. Oktober, „AI and the Future of Music“ mit Todd Terry, Paul Sinclair von Suno und Laura Fisher von MIDiA: musikalische Praxis trifft auf Anbieter generativer KI.

22. Oktober, „Leaky Pipes: Fraud, AI and the Tools Deciding Who Gets Paid“: Streamingbetrug, massenhaft erzeugte KI-Musik und die Folgen für die Vergütung.

22. Oktober, „A Panel on the (Positive) Use of AI in Music Creation“ mit Jean-Michel Jarre, Jeff Chang und Joachim Garraud: kreative Möglichkeiten und veränderte Arbeitsabläufe.

23. Oktober, „The Role of the Prompt: Where AI Ends and Artistry Begins“ mit Flosstradamus im ADE Lab Village: wo der Prompt aufhört und das künstlerische Urteil beginnt, nur für ausgewählte Teilnehmende des ADE Lab.

23. Oktober, „Meet The AI Players“: ein Kontaktformat mit Beteiligten unter anderem von NVIDIA, ElevenLabs und Viberate.

23. Oktober, „Artists on AI, A No-BS Roundtable“ im Felix Meritis mit BT, Dave Clarke, Mathame, Miss Kittin, Portrait XO und Terrence Dixon: kreative Qualität, Kontrolle, Einkommen und Urheberschaft aus Sicht der Künstlerinnen und Künstler.

24. Oktober, Workshop von Angelo Faassen (Biological) in der „Bespoke Musik ADE Experience“ in der WIHH Art Gallery: KI für Künstlerpromotion, Automatisierung und Publikumsaufbau.

Während der ganzen ADE-Woche, „Charged“ von Jaco Schilp im Westerpark: eine kostenlose Lichtinstallation, die mit KI-gestützter Personenerkennung auf Bewegungen und Begegnungen reagiert.

Während der ADE-Woche, „Dreaming Babies: illi“ von Yoon Chung Han im ADE Lab Village Westergas: eine kostenlose Installation, die genetische Daten, KI-generierte Geschichten und ethische Fragen verbindet.

KI-Veranstaltungen in Amsterdam bis zum Jahresende

Die Liste beginnt Ende Oktober und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei einigen Terminen standen Programm oder Preis bei Redaktionsschluss noch nicht fest, ein Blick auf die Seite der Veranstalter lohnt sich vor jeder Reise.

26. bis 30. Oktober, GoDataFest bei Xebia, Wibautstraat 200: fünf Tage mit Vorträgen und Workshops zu Datenplattformen, Analytics, MLOps und KI. Der Eintritt ist frei, Plätze müssen reserviert werden.

27. Oktober, AI Tinkerers Amsterdam, October Demo Night bei JetBrains: ein technischer Abend, an dem Entwicklerinnen und Entwickler live zeigen, wie sie mit Sprachmodellen und Agenten arbeiten. Teilnahme nach Bewerbung.

28. Oktober, Go-to-Market Event im B. Amsterdam: ein interaktiver Nachmittag für Gründerinnen und Gründer von KI- und B2B-Unternehmen über Vertriebsstrategien, mit 25 bis 40 Teilnehmenden.

29. und 30. Oktober, AI for Education The Netherlands an der Vrije Universiteit Amsterdam: zwei Tage zu KI in der Bildung, mit Forschung, Unterrichtspraxis, Ethik und Bildungspolitik.

2. bis 6. November, EY AI Week im Amsterdamer EY-Büro und online: kostenlose Sessions und Workshops zur Frage, wie Organisationen KI von einzelnen Anwendungen in die ganze Organisation bringen. Für Plätze vor Ort muss man sich bewerben.

4. November, Amsterdam AI Summit in der Zuiderkerk, 18 bis 21 Uhr: ein Panel mit Führungskräften von Picnic, Arcadis und Sopra Steria, danach fast zwei Stunden Zeit für Gespräche.

12. November, Amsterdam Tech COnnect „The Power of AI“ im Berghaus Amsterdam: Vorträge über praktische KI, agentische Medien und Robotik, danach Diskussion.

12. und 13. November, Reshaping Work in De Rode Hoed: die kostenpflichtige Konferenz „AI@Work: The Human Frontier“ zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung. Sie fragt, wie KI Entscheidungen, Zusammenarbeit und Wissensarbeit verändert und wie menschliche Fähigkeiten und demokratische Werte dabei gestärkt werden können.

13. November, zweiter Konferenztag der ChemAI 2026 im Hotel Casa Amsterdam: Wissenschaft über KI in Chemie und Materialforschung.

18. November, Mindstone Amsterdam Meetup in der Maarten Luther Kerk: ein kostenloser Abend mit Erfahrungen aus der Entwicklung mit KI, einer praktischen Vorführung und gesellschaftlicher Einordnung, begrenzt auf 100 Plätze.

18. November, AI Builders Amsterdam bei StartDock: ein Treffen für Menschen, die KI-Anwendungen bauen, mit Vorträgen und Demos. Richtpreis um zehn Euro, das Programm stand noch nicht fest.

19. November, „Sovereign AI, built for regulated industries“ im Cognizant Digital Studio: ein Nachmittag über Datenhoheit, kontrollierbare Infrastruktur und Erfahrungen aus regulierten Branchen, aus Sicht von Cognizant und Domyn.

23. bis 25. November, CONVERSATIONS 2026 an der Universiteit van Amsterdam: die zehnte Ausgabe des wissenschaftlichen Symposiums über Chatbots und menschenzentrierte KI.

24. November, Amsterdam AI Impact Festival im NEMO, 14 bis 20 Uhr: ein Festival über die gesellschaftliche Wirkung von KI. Ein ausführliches Programm war noch nicht veröffentlicht.

24. November, „ai for good_, Edition 0004“ im Kanarie Club: ein kostenloses kleines Treffen, eine Hälfte des Abends Arbeit an einer eigenen Aufgabe, die andere Erfahrungsaustausch, mit Schwerpunkt auf gesellschaftlicher Wirkung und Nachhaltigkeit. Die Plätze werden persönlich bestätigt.

25. November, „AI-Native Engineering: Coding Agents, Memory & Collaboration“ bei Xebia: zwei Vorträge über Gedächtnis und Kontext von KI-Agenten und über veränderte Zusammenarbeit in Entwicklungsteams.

25. November, Agentforce World Tour im Circa Amsterdam: eine Veranstaltung von Salesforce über autonome Agenten in Kundenservice und Vertrieb.

25. und 26. November, Chatbot Summit im Mövenpick Amsterdam City Centre: eine Konferenz zu agentischer KI und Conversational AI mit Workshops, Demos und Gesprächsrunden. Der Haupttag kostet rund 600 Euro.

30. November bis 3. Dezember, ESPC Microsoft 365 & AI Conference in der RAI: vier Tage mit mehr als 120 Sessions für rund 2.000 Fachleute aus der Microsoft-Welt.

16. Dezember, AI Builders Amsterdam bei StartDock: Modellvergleiche mit eigenen Prompts und die lokale Ausführung eines Rechercheagenten. Richtpreis um zehn Euro.

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