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ARBEITEN MIT KI

Tag 1 im KI-Lab: Ankommen und Starten

Am 2. Oktober 2026 hat das bcsd KI-Lab Stadtmarketing begonnen. Am kommenden Freitag, dem 16. Oktober, treffen wir uns zum zweiten von sechs Terminen. Dazwischen ist mehr passiert, als ich erwartet hatte, und davon möchte ich erzählen.

Folie vom 2. Oktober 2026: Ziele des bcsd KI-Labs – Möglichkeiten erkennen, mit KI zusammenarbeiten und Erfahrungen im Team teilen.
Die gemeinsamen Ziele für drei Monate bcsd KI-Lab Stadtmarketing.

Viele Menschen, die mit KI arbeiten, kennen das Gefühl: Man hat einen Zugang, man hat ein paar Texte damit geschrieben, und doch bleibt der Eindruck, dass da mehr gehen müsste. Die KI ist ein gelegentlicher Helfer für eine schnelle Formulierung, aber noch kein Teil der eigenen Arbeit. Genau an dieser Stelle setzt das KI-Lab an. Die Frage, die uns drei Monate lang beschäftigen wird, lautet: Wie wird KI zu einem Werkzeug, mit dem sich Aufgaben klären, Ideen entwickeln und Ergebnisse prüfen lassen?

Was das KI-Lab ist

Veranstalter ist die bcsd, die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland. Sie ist der Fachverband für alle, die sich beruflich um Innenstädte, Stadtmarketing und Standortentwicklung kümmern, und richtet unter anderem die Deutsche Stadtmarketingbörse aus, die im September in Cottbus stattfand. Mit dem KI-Lab bietet die bcsd zum ersten Mal eine Lernreihe an, die über einen einzelnen Vortrag hinausgeht: sechs Online-Termine von je neunzig Minuten, verteilt über drei Monate bis Dezember, offen auch für Nichtmitglieder. Zwischen den Terminen probieren die Teilnehmenden das Besprochene an ihren eigenen Aufgaben aus und bringen die Erfahrungen beim nächsten Mal mit.

Meine Rolle ist die des Begleiters. Ich bereite die Termine vor, leite sie und stehe zwischendurch für Fragen zur Verfügung. Vor allem aber versuche ich, aus dem, was die Teilnehmenden berichten, den nächsten sinnvollen Schritt abzuleiten. Ein festes Programm, das ich abspule, gibt es nicht. Das Lab lebt davon, dass die Gruppe ihre Arbeitsrealität mitbringt.

Diese Realität ist sehr unterschiedlich. Einige in der Gruppe nutzen KI bisher nur gelegentlich, andere arbeiten beruflich schon länger damit. Auch die technischen Möglichkeiten unterscheiden sich, je nachdem, welche KI die eigene Organisation freigegeben hat. Unser Ziel ist deshalb kein bestimmtes Werkzeug. Wir wollen lernen, wie man mit der KI, die man zur Verfügung hat, so zusammenarbeitet, dass nachvollziehbare Ergebnisse entstehen.

Der erste Termin

Der Auftakt war dicht. Wir haben besprochen, was eine KI über eine Aufgabe wissen muss, warum ein klares Ziel mehr hilft als ein möglichst kunstvoll formulierter Prompt und wie die eigene Erfahrung in die Arbeit einfließt. Es ging um geeignete Arbeitsumgebungen, um den bewussten Umgang mit Informationen und darum, wie man ein gutes Gespräch mit einer KI führt. Die Teilnehmenden haben nachgefragt, von ihrem Alltag erzählt und dabei gezeigt, wie verschieden die Voraussetzungen in ihren Organisationen sind.

Neunzig Minuten reichen, um eine Arbeitsweise zu zeigen und zu besprechen. Sie reichen nicht, um sie mit allen gemeinsam bis zu einem fertigen Ergebnis einzuüben. Das war mir vorher klar, und deshalb endete der erste Tag nicht mit dem Anspruch, nun alles zu können. Er endete mit einer Einladung: sich eine kleine, echte Aufgabe aus dem eigenen Alltag zu nehmen und die neue Form der Zusammenarbeit daran auszuprobieren.

Ein Papier für zwei Leser

Dafür hatten alle schon Material in der Hand, und zwar in einer Form, die ich etwas genauer erklären möchte, weil sie oft missverstanden wird. Zu jedem Termin gibt es ein AI Paper. Das ist zunächst einmal ein ganz normales Dokument, ein PDF, das man lesen, ausdrucken und weitergeben kann. Es hält die Gedanken des Termins so fest, dass man sie auch zwei Wochen später noch nachvollziehen kann. Das Besondere ist, dass es für zwei Leser geschrieben ist: für den Menschen und für seine KI.

Der Teil für den Menschen erklärt, worum es geht, mit Beispielen und in normaler Sprache. Der Teil für die KI enthält eine Arbeitsanleitung. Darin steht, welche Rolle sie übernehmen soll, wie sie mit dem Menschen sprechen soll und was sie nicht tun darf. Wer das Papier in seine eigene KI lädt, also in ChatGPT, Copilot, Claude oder was die eigene Organisation freigegeben hat, gibt dieser KI damit einen Rahmen. Sie weiß dann, worum es im KI-Lab geht, kann die Inhalte erklären, wenn man nachfragt, und begleitet einen Schritt für Schritt bei einer eigenen Aufgabe. Sie fragt nach dem Ziel und nach fehlenden Informationen, hilft bei einem ersten Ergebnis und erinnert daran, es zu prüfen. Die Entscheidung bleibt immer beim Menschen.

Wichtig ist mir dabei: Das AI Paper ist selbst keine KI und auch kein Programm. Es installiert nichts und verändert die KI nicht dauerhaft. Ich vergleiche es gern mit einer Bootdiskette, wie man sie früher in den Rechner gesteckt hat. Die Diskette war nicht der Computer, aber der Computer startete mit ihr in einem bestimmten Zustand. So ähnlich startet die eigene KI mit dem Papier in eine bestimmte Aufgabe. Die Arbeit macht die KI, die man ohnehin nutzt, und das Papier sorgt dafür, dass sie weiß, wofür. Das hat einen praktischen Vorteil, gerade in einer Gruppe mit so unterschiedlichen Voraussetzungen: Jeder arbeitet mit dem Werkzeug, das er hat, und trotzdem arbeiten alle an derselben Sache.

Nach dem Termin kamen noch eine Nachbereitung und ein Workbook dazu, das nach demselben Prinzip gebaut ist und zu einem kleinen begleiteten Versuch einlädt. Wer schon angefangen hat, arbeitet am eigenen Stand weiter, wer noch keine passende Aufgabe hat, übt an einem erfundenen Beispiel. Zwanzig Minuten reichen für den Einstieg.

Was zurückkam

Die ersten Rückmeldungen kamen schon vor dem zweiten Termin, und sie haben mich gefreut. Eine Teilnehmerin hat mit der Methode ein wichtiges Gespräch vorbereitet. Im Verlauf haben sich Quellen und Annahmen deutlicher voneinander getrennt, und offene Fragen blieben sichtbar, statt in einem glatt formulierten Ergebnis zu verschwinden. Bei einer wiederkehrenden redaktionellen Arbeit half die KI, die Auswahlkriterien zu klären und ein Dokument zu erstellen. Als sich eine Quelle technisch nicht auslesen ließ, kamen die Informationen eben auf anderem Weg hinein. Aus den Korrekturen ist am Ende ein Arbeitsauftrag entstanden, der sich beim nächsten Mal wiederverwenden lässt. Und bei einem größeren Projekt haben hinterlegte Informationen und das Gespräch mit der KI, teils per Sprache, geholfen, Ideen weiterzuentwickeln und einzelne Arbeitsschritte vorzubereiten.

In allen Fällen war es die Erfahrung der Menschen, die den Unterschied gemacht hat. Sie wussten, was sie erreichen wollten, sie haben Zusammenhänge ergänzt, und sie haben beurteilt, ob das Ergebnis für ihre Arbeit funktioniert. Sie haben ihre eigene Erfahrung mit neuem Wissen und Möglichkeiten kombiniert. Beim nächsten gemeinsamen Termin werden wir darüber sprechen und dieses neue Wissen teilen. Genau dafür ist das Lab über sechs Termine angelegt und nicht als einmaliger Workshop.

Wie es weitergeht

Am Freitag, dem 16. Oktober, geht es mit den Fragen weiter, die die ersten Versuche aufgeworfen haben. Wir wollen herausfinden, wie man die KI dazu bringt, gezielt nach fehlendem Wissen zu fragen, wie man einen gelungenen Arbeitsablauf festhält und wie aus einem guten Einzelversuch eine Arbeitsweise wird, die auch Kolleginnen und Kollegen nutzen können. Das ist der Schritt, an dem es in den meisten Organisationen gerade hakt, und er lässt sich in einer Gruppe besser gehen als allein. Ich bin gespannt, was die Teilnehmenden mitbringen, und werde hier weiter berichten.

Folien, AI Paper, Linksammlung, Nachbereitung und Workbook stehen ausschließlich den zahlenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern des KI-Labs zur Verfügung. Mehr zum Rahmen der Reihe steht in der Vorstellung des bcsd KI-Labs und im Beitrag Das erste KI-Lab ist ausgebucht. Weitere werden folgen.

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